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WordPress oder ein anderes CMS?
Wir arbeiten überwiegend mit WordPress – aber nicht aus Gewohnheit. Hier steht, was dafür spricht, was dagegen, welche Alternativen es gibt und in welchen Fällen wir selbst abraten.
Was ein CMS leisten muss
Ein Content-Management-System trennt Inhalt von Gestaltung. Sie schreiben einen Text, das System kümmert sich darum, wie er aussieht, wo er erscheint und dass die Navigation stimmt. Ohne CMS müsste für jede Preisänderung jemand in den Quelltext.
Woran sich ein CMS in der Praxis messen lassen muss:
- Pflegbarkeit: Kommen Sie selbst damit zurecht – auch nach drei Monaten Pause?
- Erweiterbarkeit: Lässt sich später etwas ergänzen, ohne alles neu zu bauen?
- Unabhängigkeit: Können Sie Inhalte und Daten mitnehmen, wenn Sie wechseln wollen?
- Verfügbarkeit von Hilfe: Finden Sie jemanden, der es kann – auch wenn wir es nicht mehr sind?
- Laufende Kosten: Was kostet es über fünf Jahre, nicht im ersten Monat?
Der vierte Punkt wird fast immer übersehen und ist einer der wichtigsten. Eine Website, die nur ein einziger Dienstleister pflegen kann, ist ein Klumpenrisiko – unabhängig davon, wie gut dieser Dienstleister ist.
Warum WordPress so verbreitet ist
WordPress betreibt einen erheblichen Teil aller Websites weltweit und ist damit das mit Abstand meistgenutzte CMS. Das ist kein Qualitätsbeweis – Verbreitung und Güte sind zwei verschiedene Dinge. Es hat aber handfeste praktische Folgen.
Für nahezu jede Anforderung existiert eine erprobte Lösung. Für nahezu jedes Problem gibt es eine Anleitung. Und für den Fall, dass die Zusammenarbeit mit einer Agentur endet, gibt es Tausende andere, die übernehmen können. Diese Ökosystem-Wirkung ist der eigentliche Vorteil – nicht die Software selbst.
Wo WordPress stark ist
Inhalte pflegen
Die Redaktion ist nach kurzer Einweisung für die meisten Menschen bedienbar. Wer einen Text in einem Textprogramm schreiben kann, kann eine Seite pflegen. Das klingt banal, entscheidet aber darüber, ob eine Website lebt oder nach einem Jahr vergammelt.
Wachsen können
Aus einer Visitenkarten-Website wird später ein Blog, dann kommen Formulare, ein Terminkalender oder ein Shop dazu. All das ist möglich, ohne die Grundlage auszutauschen.
Unabhängigkeit
WordPress ist quelloffen und kostenfrei. Sie besitzen Ihre Installation, können sie zu jedem Hoster umziehen und Inhalte jederzeit exportieren. Es gibt keinen Anbieter, der Ihnen den Zugang sperren oder die Preise diktieren kann. Das ist der schärfste Unterschied zu Baukastensystemen.
Suchmaschinen und Barrierefreiheit
Sie haben vollen Zugriff auf Seitentitel, Beschreibungen, strukturierte Daten, Weiterleitungen und das erzeugte HTML. Damit lässt sich sowohl umsetzen, wie Rankings bei Google entstehen, als auch, was die WCAG 2.2 an Barrierefreiheit verlangt – bei geschlossenen Systemen endet das oft an der Grenze dessen, was der Anbieter vorsieht.
Wo WordPress schwächelt
Ein Vergleich, der nur Vorteile aufzählt, ist Werbung. Diese Punkte sind real:
- Es braucht Pflege. Kern, Theme und Erweiterungen erhalten regelmäßig Updates. Wer sie über Monate liegen lässt, handelt sich Sicherheits- und Kompatibilitätsprobleme ein. Eine WordPress-Website ohne Betreuung ist eine Zeitfrage, kein Zustand.
- Erweiterungen sind unterschiedlich gut. Jeder kann veröffentlichen. Ein schlecht gepflegtes Zusatzmodul kann Tempo, Sicherheit und Barrierefreiheit gleichzeitig ruinieren. Die Auswahl ist Facharbeit, kein Einkaufsbummel.
- Von Haus aus nicht schnell. Ohne Sorgfalt bei Theme, Bildern und Zwischenspeicher wird eine WordPress-Seite träge. Das lässt sich beheben, passiert aber nicht von allein.
- Verbreitung zieht Angriffe an. Automatisierte Angriffe suchen gezielt nach bekannten WordPress-Lücken – schlicht, weil es sich lohnt.
Das Sicherheits-Argument
„WordPress ist unsicher" hört man oft. Das trifft die Sache nicht ganz. Der Kern von WordPress wird von einem großen Team gepflegt, und Sicherheitslücken werden meist schnell geschlossen.
Die Angriffsfläche entsteht fast immer woanders: bei veralteten Erweiterungen, bei zu einfachen Passwörtern, bei fehlenden Updates. Eine gepflegte WordPress-Website ist sicherer als ein exotisches System, dessen Lücken nur niemand sucht.
Ehrlich gesagt: Die Sicherheitsfrage ist keine Frage des Systems, sondern der Betreuung. Wer sie beantwortet haben will, muss klären, wer die Updates macht – nicht, welches CMS im Einsatz ist.
Die Alternativen
TYPO3
Im deutschsprachigen Raum verbreitet, besonders bei Konzernen und Verwaltungen. Stark bei komplexen Rechtestrukturen, mehreren Sprachen und großen Redaktionsteams. Dafür aufwendiger in Einrichtung und Betrieb und mit deutlich höheren Einstiegskosten. Für einen Handwerksbetrieb oder eine Praxis überdimensioniert.
Drupal
Technisch sehr leistungsfähig, beliebt bei datenlastigen Anwendungen. Verlangt mehr Entwicklerwissen; der Kreis möglicher Betreuer ist kleiner.
Joomla und Contao
Solide Systeme mit treuen Anwendergemeinden, aber deutlich kleinerem Ökosystem. Die entscheidende Frage ist hier weniger die Technik als die Verfügbarkeit von Hilfe.
Baukästen der Massenhoster
Schnell und günstig im Einstieg, dafür geschlossen. Inhalte lassen sich in der Regel nicht sinnvoll mitnehmen, und die Grenzen bei Tempo, Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung sind die des Anbieters. Ausführlich in unserem Beitrag zu den Nachteilen von Baukastensystemen.
Statische Websites ohne CMS
Seiten, die einmal erzeugt und dann als fertige Dateien ausgeliefert werden. Kaum angreifbar und extrem schnell, weil zur Laufzeit nichts berechnet wird. Der Haken: Inhalte pflegt man nicht mal eben zwischendurch. Für Websites, die sich selten ändern, aber maximal schnell sein sollen, ist das die stärkste Variante – wir setzen sie bei Hochleistungs-Websites ein.
Wann WordPress nicht passt
Es gibt Fälle, in denen wir von WordPress abraten:
- Wenn niemand die Pflege übernimmt. Weder Sie noch ein Dienstleister? Dann ist eine statische Website die ehrlichere Wahl – sie braucht keine Updates.
- Bei einer einzelnen, nie wechselnden Seite. Für eine reine Visitenkarte ist ein ganzes Redaktionssystem Aufwand ohne Gegenwert.
- Bei sehr komplexen Rechte- und Freigabeprozessen. Große Redaktionen mit mehrstufigen Freigaben sind bei TYPO3 oft besser aufgehoben.
- Wenn maximales Tempo alles schlägt. Wo jede Zehntelsekunde zählt, gewinnt eine statische Auslieferung.
So entscheiden Sie
Vier Fragen führen meist zur Antwort:
- Wie oft ändern sich Inhalte? Selten → statisch. Regelmäßig → CMS.
- Wer pflegt? Sie selbst → Bedienbarkeit hat Vorrang. Niemand → Wartungsfreiheit hat Vorrang.
- Was soll in drei Jahren möglich sein? Shop, Buchung, Mitgliederbereich? Dann brauchen Sie ein System, das mitwächst.
- Wie wichtig ist Unabhängigkeit? Wenn Sie jederzeit wechseln können wollen, scheiden geschlossene Systeme aus.
Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe landen diese Fragen bei WordPress – deshalb arbeiten wir überwiegend damit. Wenn die Antworten in eine andere Richtung zeigen, sagen wir das. Eine Website, die zum falschen System gehört, wird nicht dadurch besser, dass wir sie damit bauen können.
Unsicher, was zu Ihrem Vorhaben passt?
Sagen Sie uns, was die Website können soll und wer sie pflegen wird. Wir empfehlen das passende System – auch wenn es nicht unseres ist.
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